Spiritueller Impuls: Freiheit und Sicherheit

Freiheit und Sicherheit

Gastbeitrag von Sr. Irmgard Richter - Evangelische Stadtmission Freiburg e.V. 

Letztes Jahr gab es einen „Oasentag“ mit einer Gruppe von Mitarbeitenden. Wir besuchten das Städtchen „Neuf Brisach“ auf der französischen Rheinseite. Im Internet machte ich mich schlau über die Geschichte dieser ungewöhnlichen Stadt. Erbaut wurde sie Anfang des 18. Jahrhunderts von General Vauban, dem Festungsbaumeister des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. Die besondere Architektur und die Dicke der Mauern machten die Garnisonsstadt uneinnehmbar. Nur ein einziges Mal wurde sie belagert, allerdings erfolglos. Damit ist sie ein Inbegriff von Sicherheit.

Allerdings gab es nie eine Ausdehnung der Stadt über ihre engen Grenzen hinaus. So verlor sie ihre Bedeutung, nachdem sie als Verteidigungsanlage nicht mehr gebraucht wurde. Die Einwohnerzahl ging stark zurück. Heute leben knapp 2000 Menschen dort – viele vom Tourismus. 

Mich macht das nachdenklich. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist verständlich und legitim. Aber es gibt auch ein Bedürfnis nach Wachstum, nach Freiheit. Manchmal erscheint das wie ein unvereinbarer Gegensatz. 

Freiheit und Sicherheit – ich musste an Schloss und Schlüssel denken. Das Schloss erinnert mich an Sicherheit: ich kann eine Tür sicher verschließen. Der Schlüssel erinnert mich an die Freiheit: ich kann die Tür auch wieder öffnen, wenn ich will. Wie groß ist mein Bedürfnis nach Sicherheit? Wie groß ist mein Bedürfnis nach Freiheit? Vielleicht muss man manchmal ein bisschen Risiko in Kauf nehmen für die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.