Spiritueller Impuls: "Aus Fehlern wird man klug"

 

Gastbeitrag von Eva-Maria Kleisz, Kirche im SWR, Katholische Kirche.

„Aus Fehlern wird man klug“. Stimmt. Oft jedenfalls. Trotzdem mach ich ungern Fehler. Damit bin ich nicht alleine. Bei den Kindern in der Schule beobachte ich das seit langem. Manche fangen an zu weinen, wenn sie etwas nicht gleich richtig machen. Manche versuchen, ihre Fehler abzustreiten. Sie schämen sich dafür. Ich verstehe das. Mir wäre auch lieber, ich müsste keine machen. Das geht nicht. Deshalb lerne ich damit zu leben. Fehlerfreundliche Menschen helfen mir dabei.
 
Einer der fehlerfreundlichsten Menschen ist Jesus. So wie ich ihn aus den biblischen Geschichten kenne. Jeder konnte von Glück reden, wenn er ihn getroffen hat. Besonders dann, wenn andere schon längst mit dem Finger auf ihn gezeigt haben. Jesus hat keine Vorwürfe gemacht, er hat nicht verurteilt und niemanden abgewertet. Er ist davon ausgegangen, dass keiner gerne Fehler macht. Er hat jedem die Chance gegeben, einzusehen, was falsch war, und sich zu ändern. Es wird erzählt, wie Menschen dadurch frei geworden sind, sich anders zu verhalten.

Ausgerechnet als Deutschlehrerin habe ich etwas entdeckt, was mir außerdem hilft, fehlerfreundlicher zu werden. Diktate korrigiere ich nicht mehr mit dem Rotstift. Ich zähle auch die Fehler nicht mehr. Ich achte zuerst darauf, was die Kinder schon können. Dann schaue ich mir genauer an, woran es liegt, dass ein Schüler sich verschreibt.  
Welche Fehler macht ein Schüler und welche Übungen braucht er um daraus zu lernen?  Die meisten Schüler schämen sich trotzdem, wenn sie viele Fehler machen. Aber sie begreifen langsam auch, dass sie als Grundschüler in der Rechtschreibung nicht perfekt sein müssen. Sie sind da um zu lernen und haben ein Recht darauf, unterstützt zu werden.

Das gilt auch für unsere Entwicklungen und Lernprozesse als Menschen. Wir sind nämlich alle nicht perfekt. Wir müssen es auch nicht sein. Wir sind angewiesen auf fehlerfreundliche Menschen, die uns nicht abwerten und verurteilen. Menschen, die nachfragen und verstehen helfen, warum wir welche Fehler machen. So werden wir aus Fehlern tatsächlich klug.