Spiritueller Impuls: Man sieht es ihm an

Man sieht es ihm an

Gastbeitrag von Sr. Irmgard Richter - Evangelische Stadtmission Freiburg e.V. 

Ich mag Bäume im Winter. Wenn sie kein Laub tragen, sieht man sie anders. Man sieht ihre Strukturen. Dieser Baum hier hat mich fasziniert. Der Stamm scheint in sich ganz verdreht zu sein. Er sieht ein bisschen aus wie ein Lappen, den jemand ausgewrungen hat.

Was ist mit diesem Baum passiert? Ich stelle mir vor,  dass er viel Wind abbekommen hat – schon ganz früh.  Er steht ja auch nicht mit vielen anderen zusammen im Wald, sondern allein in den Reben. Vielleicht hat der Wind die Blätter und die Äste sanft, aber ständig in eine Richtung gedrückt. Und im Lauf der Jahre hat sich erst der dünne Stamm, dann der dicker werdende Stamm in diese Richtung gedreht – immer in dieselbe Richtung.

Was ist mit mir passiert – im Lauf meines Lebens? Was hat mich angepustet und in irgendeine Richtung gedrückt? Was kann man mir ansehen? Dass ich hart gearbeitet habe? Dass ich viel gelacht habe? Vieles kann man ja gar nicht sehen.

Man sagt: ich bin geprägt worden. Wodurch? Mir fällt ein:  Das Wort „segnen“ kommt von „Signum = Zeichen“. Autoren signieren Bücher. Maler signieren ihre Bilder. Ich stelle mir vor: Gott „signiert“ mein Leben mit seinem Segen. Das kann man nicht immer sehen. Aber ich wünsche mir, dass Gott mit seiner Liebe und Wahrheit Einfluss auf mich hat – und dass sich das irgendwie auch zeigt.