Nein sagen
Gastbeitrag von Sr. Irmgard Richter - Evangelische Stadtmission Freiburg e.V.
Ich will gerne freundlich sein. Ich sage gerne „Ja“, wenn ich um etwas gebeten werde oder man mich für eine Aufgabe anfragt. Ich möchte andere zufriedenstellen und glücklich machen. Dabei werde ich selbst aber nicht immer glücklich und zufrieden. Und das bekommen die anderen dann irgendwann zu spüren.
Also sage ich manchmal „Nein“. Lange Zeit ist mir das schwer gefallen. Ich habe es nicht gerne gesagt, ich habe es mit schlechtem Gewissen gesagt – und manchmal mit Ärger auf den, der gewagt hat, mich zu fragen. Auch nicht gut – für mich nicht und für den anderen nicht.
„Nein sagen ohne Schuldgefühle“ ist ein Buch, das mir sehr geholfen hat. Ich habe verstanden, dass ich Grenzen habe – wie jeder andere Mensch. Und wenn ich zu oft und zu weit über diese Grenzen gehe, ist das weder angemessen noch besonders „christlich“, sondern einfach realitätsfremd. Und manchmal ist es nicht einmal hilfreich für die Fragenden, auch wenn es für sie bequemer wäre, wenn ich „ja“ sagen würde.
Ich übe, mich abzugrenzen – in Freundlichkeit und Klarheit, mit gutem Gewissen. Dann fällt es auch anderen leichter, ein „Nein“ von mir zu akzeptieren. Diese vier Buchstaben habe ich vor Jahren bunt angemalt und in meinem Zimmer aufgehängt. „Nein“ hat etwas Gutes. Es bedeutet nicht Egoismus oder Faulheit, sondern Klarheit und Respekt vor meiner Begrenztheit. Und es kann mir helfen, die Prioritäten zu ordnen: „Das ‚JA‘ zu einem großen Ziel erfordert viele kleine ‚Nein‘.“
