Spiritueller Impuls: Sommerzeit – Krimizeit

Sommerzeit – Krimizeit  

Gastbeitrag von Pfr. Rainer Heimburger - Evangelische Landeskirche in Baden e.V. 

Wir liegen im Liegestuhl am Strand oder auf „Balkonien“ zu Hause, und mit Donna Leon oder Sebastian Fitzek bricht das abgrundtief Böse in die Welt ein. Wir gehen mit Bruno, Chef de Police im Périgord oder bei Regio-Krimis auf Usedom oder im Allgäu auf Verbrecherjagd.

Ich frage mich: Warum liest du, wie andere Böses tun? Warum brauchst du den Nervenkitzel – und das wohlige, trostreiche Gefühl, dass zu guter Letzt alles einen guten Ausgang nimmt, dass für die Guten alles gut endet, dass die Welt am Romanende wieder in Ordnung kommt und dass das Böse zumindest für den Augenblick des Lesens wieder einmal besiegt ist?

Irgendwie tut die Krimilektüre meiner trostbedürftigen Seele unterm Sonnenschirm gut, weil nirgendwo im Leben das Böse so eindeutig besiegt und zur Strecke gebracht wird wie in diesen Krimis. Ich brauche es immer wieder neu, das beruhigende Gefühl, das gute Gefühl der Rückkehr zu einem halbwegs normalen Alltag. Ich brauche die „Guten“, die von Fall zu Fall die Gerechtigkeit durchsetzen, den Verbrecher der Justiz ausliefern. Ihre Ermittlungserfolge geben mir die Gewissheit, dass wieder alles in Ordnung ist und auch die Polizei einmal Feierabend haben darf.
 
Aber mich beunruhigt auch die Ahnung, dass meine heile Welt vielleicht gar nicht so stabil ist und sich hinter Fassaden der gutbürgerlichen Gesellschaft Abgründiges zusammenbraut.