Unkraut gehört dazu
Gastbeitrag von Sr. Irmgard Richter - Evangelische Stadtmission Freiburg e.V.
Dieses Schild habe ich in einem Garten entdeckt und musste lachen. Unkraut ausreißen, ausstechen, ausgraben ist harte Arbeit, das weiß ich. Manche hassen diese Arbeit. Ich mag sie, denn da sehe ich, was ich geleistet habe – auch wenn in wenigen Wochen neues Unkraut wächst.
Wenn kein Unkraut wächst, dann stimmt etwas nicht mit dem Garten. Vielleicht hat jemand viel Pflanzengift verwendet – oder alles mit Steinen und Sand bedeckt. So ein Garten ist nicht gesund.
Was soll dieser Satz sagen? Ist er eine Entschuldigung für den Gärtner, der keine Lust hat, das Unkraut zu bekämpfen? Schon möglich. Oder soll der Satz sagen: „Das Unkraut gehört eben dazu. Es hat auch ein Recht zu leben und da zu sein.“ Das würde mir gefallen, denn das kann man gut auf das Leben übertragen. Auch im Leben gibt es nicht nur das, was man schön findet und sich wünscht. Da gibt es Ereignisse, die mir nicht gefallen. Es gibt Lebensumstände, die ich mir anders wünschen würde. Es gibt Menschen, mit denen ich es nicht leicht habe. Es gibt Eigenschaften an mir, die ich nicht mag.
Aber das gehört auch dazu. Meine Bewertungen sind ja immer subjektiv. Und selbst das, was eindeutig nicht gut ist, kann dennoch irgendwie zu etwas Gutem beitragen, auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann. Ich wünsche mir Gelassenheit, mein „Unkraut“ zu ertragen.
